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„Das Dach wird so sein wie vor 500 Jahren“ Drucken E-Mail
Rieser Nachrichten vom 26.05.09 - 18.25 Uhr (Ronald Hummel)

Zimmerer Eigner
Zimmerer Eigner
Nördlingen Einerseits ist es erstaunlich, dass der Dachstuhl der St.-Georgs-Kirche immer noch weitgehend im baulichen Originalzustand von vor 500 Jahren ist. Andererseits sind die Schäden, die jetzt bei der teilweisen Dachabdeckung sichtbar wurden, erschreckend: So hat der Hausschwamm dort, wo das Dach an den Daniel angrenzt, ganze Balkenteile und über mehrere Meter die Mauerlatten, auf denen das gesamte Gebälk lastet, aufgefressen. Das Gebälk senkte sich um bis zu 20 Zentimeter.

Seit 100 Jahren fängt man die schlimmsten Schäden mit Provisorien auf. So wurden in den 1970er Jahren wichtige Dach- und Deckenbalken mit Stahlkonstruktionen verschraubt. Doch nun hat der Stadtrat beschlossen, in einer umfassenden und nachhaltigen Komplettsanierung, sämtliche Mängel beseitigen und die provisorischen Reparaturen rückbauen zu lassen.

„Das Dach wird am Ende unserer zweijährigen Arbeit wieder so sein wie vor 500 Jahren“, erklärt Lothar Krauss gegenüber unserer Zeitung. Der Zimmermeister ist der verantwortliche Polier der Firma Eigner, die mit den Holzarbeiten betraut wurde. Seit zehn Jahren ist Krauss Experte für Denkmalsanierungen. Um möglichst nah an den Urzustand der Konstruktion zu kommen, verwendet man sogar Holznägel wie zu Zeiten der Erbauer.

Überdachtes Außengerüst

Im derzeitigen ersten Arbeitsgang werden die eigentlichen Arbeiten vorbereitet: Ein überdachtes Außengerüst schützt die Arbeiter vor Wind und Wetter. Auf zwölf Metern Länge ist das Dach auf der Südseite, also zum Obstmarkt hin, bereits abgedeckt, die Sparren über den Dach- und Deckenbalken sind abgebaut. Kübelweise schleppen derzeit die Arbeiter den Schutt weg, der sich durch die Verwitterung über die Jahrhunderte ansammelte.

Als Nächstes werden die Provisorien entfernt - zum Teil Balken, die vor über 100 Jahren eingebaut wurden. „An den Stahlbauteilen hat in den 1970er Jahren unser verstorbener Chef Hermann Luther als Lehrling mitgearbeitet“, weiß Lothar Krauss. Andere Balken, die eiserne Zuganker halten, wurden erst vor drei Jahren eingesetzt, um drohende weitere Absenkungen und Deformationen zu verhindern.

Als Nächstes gilt es, die schadhaften Balken zu reparieren. Die zerstörten Bereiche werden entfernt; beim Hausschwamm muss eine Sicherheitszone mindestens einen Meter über die Schadstelle hinaus weggesägt werden. Die Lücken werden mit maßgeschneiderten Balken geschlossen und die neuen Bauteile passgenau an die historischen Fichtenbalken angefügt. Hier macht man eine Ausnahme und benutzt Metallschrauben, um höchstmögliche Stabilität zu erreichen.

Parallel wird Michael Scherbaum von der St. Georgsbauhütte beschädigte Mauersteine restaurieren. Die Schäden entstanden hauptsächlich, wo die Mauerlatten verrotteten und der Druck von den Dachbalken nicht mehr über die Latten verteilt wurde, sondern punktuell auf den Steinen lastete. Scherbaum begann auch schon damit, den lose aufgefüllten Zwischenraum zwischen äußerer und innerer Quadermauer durch Schläuche mit Kalkmörtel aufzufüllen. Er soll des Weiteren Bohrungen durch die äußere und innere Quaderschicht der Kirchenmauer setzen. Durch diese werden dann Eisenstangen gelegt und vermörtelt, um die Mauer insgesamt zu stabilisieren. Sind Mauer und Balken im ersten Bauabschnitt restauriert, folgt der nächste Abschnitt.

 

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